Ablassen Schlanderersee

IMG 1944 PanoDie Spaziergänger durch die Freizeitanlage Goldbach haben es längst entdeckt: der dortige See ist weitgehend abgelassen - Auftakt zur Sanierung des Binnengewässers. Daran haben nicht nur die Hobbyfischer ihre Freude.
Artikel vom 02. November 2016 - 16:00

Von Siegfried Dannecker

SINDELFINGEN. Laub, das auf dem Wasser schwimmt, dann sinkt und verfault; Enten und andere Wasservögel, die was fallen lassen, Sedimente, die angeschwemmt werden: Ab und zu, das heißt in der Regel alle paar Jahrzehnte, haben Seen eine Generalreinigung von unten her nötig. So wie der Klostersee, der im Sommer 2012 entschlammt worden war, muss auch der Goldbachsee entschlammt werden. Zumindest höchstwahrscheinlich, wie Gert Schwentner sagt. Ganz genau wisse man das erst bis in ein paar Monaten, so der Mann, der als Tiefbauer im Sindelfinger Rathaus für Kläranlage, Seen und öffentliche Gewässer zuständig ist.

Seit geraumer Zeit ist der Einlauf in den 200 Meter langen und 65 Meter breiten See geschlossen. Zusätzlich pumpt eine Maschine das Wasser ab. Jetzt ist das Nass an den tieferen Stellen nur noch etwa 60, 70 Zentimeter hoch. Zeit also für den Angelsportverein Sindelfingen (ASV), abzufischen. "Nicht, dass es noch passiert, dass es klirrend kalt wird und Eis die Fische in den Schlamm drückt", erklärt ASV-Chef Roland Narr.

Der Petrijünger und seine Kolleginnen und Kollegen sind froh, dass am Goldbachsee (endlich) was passiert. Schon Ende 2014 ist darüber diskutiert, die Maßnahme dann aber auf Eis gelegt worden. Nun stehen im Haushaltsplan Mittel bereit, die abgerufen werden können. Vorbehaltlich des grünen Lichts durch die städtischen Gremien. Denn noch weiß keiner ganz genau, wie mächtig die Schlammschicht ist. Das heißt, wie sehr die Handlungsnot drückt. Erst müssen - wenn der Winter und der Frost mal über den leeren See gegangen ist - Bodenproben genommen werden.

Sollte der Schlick mehr als 50 Zentimeter dick sein, müssen Bagger und Raupen heran, um das glibbrige Zeug vom Seeboden zu entfernen. Denn zu hohe Ablagerungen senken die Gewässergüte. Dann nimmt - vor allem im Sommer - der Sauerstoffgehalt ab. Zum Leidwesen der Fische, die ja auch in einem sauberen Wasser schwimmen wollen.

Im Goldbachsee gibt es viele Sorten, ein Spiegelbild der heimischen Kiemenatmer-Spannbreite: Karpfen, Hechte, Schleien, Weißfische wie Rotaugen, Rotfedern und Brassen, den Zander und den einen oder anderen Aal. "Und dann rechnen wir auch noch mit Überraschungen", schmunzelt Roland Narr. Am kommenden Freitag und Samstag wollen die Angelsportler nämlich "abfischen". Genauer: "elektrofischen". So heißt ein Verfahren, das mit Strom schafft. Für die Fische ungefährlich. Sie bekommen dadurch eine kleine Betäubung und können abgefischt werden. Gut möglich, ja wahrscheinlich, dass dann auch einige "Kaventsmänner" zum Vorschein kommen. 15, 20 Jahre alte, "erfahrene" Schuppentiere, die schlau genug waren, keinem mehr an den Angelhaken zu gehen. Denn blöde sind Fische nicht, wissen die ASVler.

Für die Kiemenatmer ist es eine Art "Zwangsräumung"
Was sie beim Abfischen fangen, wird dann umgesetzt. Die Fracht wird verteilt. Die beiden Hinterlinger Seen, der Diebskarrensee und das Goldbach-Regenrückhaltebecken stehen bereit. Ein bleibender "Wohnungswechsel". "Das ist eine Art Zwangsräumung", lacht Oberfischer Roland Narr.

Neben den Ablagerungen leidet das Gewässer unterhalb vom Goldberg in der Nähe von Hofmeister aber auch an anderen Gebrechen. Der See ist undicht. Der Damm, der parallel zum Goldbach verläuft, hat Löcher. Das heißt, es fließt Wasser in den Bach. Fachleute prüfen derzeit, was tun. Ob man also den Damm neu aufbauen sollte oder eine Spundwand errichten. Im Übrigen ist auch die Seebefestigung am Parkplatz des Goldbachstübles marode. Die alten Eisenbahnschwellen, die ins Wasser ragen, sind morsch. So pittoresk sie aussehen mögen: "Sie sind auch nicht mehr zeitgemäß", wie Angler Roland Narr sagt. Seine Vereinsmitglieder kümmern sich um Hege und Pflege des Teichs, der in den 1980-er Jahren neu gestaltet und vergrößert worden ist. Das heißt: Der ASV setzt Jungfische ein, angelt dort und - per Wasserwart - kümmert sich um die Gewässerpflege. Zuletzt hat auch die Jugend des ASV - wie jedes Jahr - dort den achtlos weggeworfenen Müll am Ufer beseitigt (die KRZ berichtete).

Für viele Sindelfinger ist der Goldbachsee im Sprachgebrauch der "Schlanderer-See" oder der "Schlanderer-Eisweiher". Denn einst, als es noch keine elektrischen Kälteaggregate gab, diente der See zur Bierkühlung. Auf Fuhrwerke aufgeladen, kam das gebrochene Eis im Winter in die Bierkeller, um das "Lammbräu" bis in den Sommer hinein auf Trinkfähigkeit zu temperieren.

Quelle: Kreiszeitung Böblingen, Siegfried Dannecker

Fotos: Ralf Schick

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